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Ich fühlte mich bedroht.
Nein,
nicht von den Demonstranten.
Es war die überall gegenwärtige Polizei mit
deren Technischen Gerätschaften,
die mir ein bedrohliches Gefühl
vermittelte.
Der Demonstrationszug wirkte auf mich wie der Marsch von
Sträflingen
zu ihrem Arbeitslager (siehe Titel).
Warum hatte man den
Demonstranten denn nicht die früher bei solchen Märschen üblichen Ketten mit
schweren Eisenkugeln an die Fußgelenke geschmiedet?
Das wäre doch noch
sicherer gewesen!
Meine Füße waren müde und ich wollte am Rödingsmarkt in
die U-Bahn einsteigen. Aber die Gitter-Tore waren heruntergelassen und
abgeschlossen.
Also marschierte ich weiter, vorbei an einem niedlichen,
kleinen Räumpanzer.
Die daneben stehenden massigen Wasserwerfer wirkten da
schon etwas bedrohlicher . . .
Der "Testmarsch zum G8-Gipfel" verlief
relativ ruhig.
Unheimlich ruhig.
Später - im Schanzenviertel - entlud sich
dann die aufgestaute Wut.
Aber das hörten die Teilnehmer des ASEM-Gipfels ja
nicht mehr . . .
Mein nächster Weg führte mich zum Hamburger
Rathaus.
Würde ich einen Blick auf das schöne Gebäude erhaschen
können?
Ich ging auf der Willi-Brandt-Straße gen Osten.
Die erste
Seitenstraße, auf die ich traf, war von Polizeifahrzeugen regelrecht zugekeilt;
ebenso die nächste Seitenstraße.
Ich ging an der Kriegs-Ruine der
Nikolai-Kirche vorbei und bog in die Straße "Trostbrücke" ein.
Tatsächlich,
der Weg war frei.
Die üblichen Touristen, die die Heiligenfiguren auf der
Brücke fotografierten und auch die Tafeln an dem historischen Gebäude der
Patiotischen Gesellschaft studierten, waren da.
Hier war die Welt noch in
Ordnung.
Aber an der nächsten Straßenecke war schon wieder Schluß.
Da war
einfach kein Durchkommen zum Rathaus, die Polizeistreitmacht war in der
Übermacht.
Nach etlichen Umwegen fand ich dann doch ein ganz einfaches
Schlußfloch.
Doch doch, unsere "Volksvertreter" waren schon sehr geschickt,
den anreisenden Diplomaten, die zum Asien-Gipfel ins Rathaus kutschiert wurden,
eine heile Welt mit den üblichen Zuschauern zu suggerieren:
Sie ließen den
Fußgängerstrom über den Jungfernstieg ungehindert passieren und man konnte so um
15 Uhr auch noch auf dem Reesen-Damm direkt am Fleet längs spazieren. Der größte
Teil des Rathausplatzes war allerdings abgesperrt und der - unerreichbare -
U-Bahn-Eingang war natürlich auch abgeschlossen.
Aber auch hier wimmelte es
im ganzen Bereich nur so von Polizisten und deren Fahrzeugen mit blinkenden
Blaulichtern.
An der Ecke Jungfernstieg - Colonnaden schlängelte ich mich
durch ein massives Aufgebot von Polizei mit Wasserwerfern (und wiederum einem
kleinen niedlichen Räumpanzer) . . . und dann war plötzlich Ruhe.
Nun gut, da
standen noch an jeder Kreuzung die üblichen Polizei-Kleinbusse, aber das wars
dann auch.
Am Dammtorbahnhof stieg ich dann in die S-Bahn nach Altona
ein, um von dort aus dann wieder nach Hause zu fahren. In Altona hatte ich ja
auch meinen Tagesmarsch begonnen, weil meine Frau mich mit dem Auto nicht näher
an die Demonstration heranbringen mochte. Sie traute sich einfach nicht, weil
schon die Palmaille an der Ecke zur Max-Brauer-Allee mit einem Peterwagen
blockiert wurde.
Aber bis Altona kam ich nicht.
Was mich bewogen hatte
ausgerechnet am Sternschanzen-Bahnhof auszusteigen, weiß ich nicht. Vielleicht
war es ein wenig die Vergangeheit, die mich reizte?
Hier in der Nähe (in der
Schönstraße) hatte ich Ende der 50-iger Jahre meinen Beruf erlernt und durch das
heutige "Schanzen-Viertel" war ich damals oft mit dem Fahrrad zur Berufsschule
nach Altona gefahren.
Schon am Ausgang des Sternschanzen-Bahnhofes wurde
ich von einem massiven Polizeiaufgebot empfangen. Aber das beängstigte mich noch
nicht und ich spazierte auf der Schanzenstraße in Richtung Reeperbahn.
So
kurz nach der Kreuzung Kampstraße quoll plötzlich ein "schwarzer Haufen" mit
tief auf das Gesicht heruntergezogenen Kapuzen aus einem Torbogen, sie warfen
allerlei Brennbares auf die Straße und zündeten den ganzen Haufen mit einer
Fackel an.
Die Knilche verschwanden unerkannt so schnell wie sie kamen . . .
und ich machte mich auf die Socken, um aus dem Getümmel herauszukommen, bevor
die Wasserwerfer auftauchen würden.
An der Ecke zum Schulterblatt - es war am
Pferdemarkt Nummer 15 - setzte ich mich draußen an einen der Gartentische des
'Café Oktober' (wirklich nette Bedienung dort - ich komme wieder), um mich ein
wenig auzuruhen und bestellte eine Cola.
Aber die Ruhe war bald vorbei.
Im
Straßenzug Schulterblatt entwickelte sich ein Gerangel zwischen den dort
zusammenströmenden Demonstranten und den Polizeikräften.
Ein dumpfer Knall .
. . und plötzlich rannte alles; Schlagstöcke sausten nieder.
Ich nahm meine
Cola und verschwand drinnen im Lokal . . . und der Wirt überlegte, ob er seine
draußen stehenden Stühle auch in das Lokal hinein retten sollte, bevor die
Demonstranten diese als Wurfgeschosse gegen die Polizei zweckentfremden
würden.
Nachdem sich die Lage wieder ein wenig entspannt hatte,
marschierte ich zum U-Bahnhof Feldstraße, um nun doch endgültig nach Hause zu
fahren. Ich hatte inzwischen auch ein wenig Bedenken bekommen, daß ich selbst
noch in den Schlamassel geraten könnte . . .
Zum Steinewerfen bin ich nun
doch schon ein wenig zu alt . . .
Jetzt sitze ich hier zu Hause im
Trockenen und grübele über das Demonstrationsrecht nach.
Wie sinnvoll ist
eine Demonstration "auf der grünen Wiese", fernab von den Leuten, denen diese
Demonstration gilt?
Und ich lese im Netz in einem Artikel
vom Hamburger Abendblatt so etwas wie
Gegen 17.30 Uhr drängten die Beamten die verbliebenen
Demonstranten in Richtung Schanzenviertel ab. Hier eskalierte die Situation:
Vermummte Protestler bauten Barrikaden vor der Roten Flora auf, warfen mit
Steinen auf die anrückenden Polizisten.
Es war also von der Polizei
beabsichtigt, daß die Demo im Schanzenviertel weiter gehen sollte?
Ich
grüble weiter: Wozu dient das Demonstrationsrecht überhaupt?
Ist es als
Sicherheitsventil gedacht, das nur den Druck ablassen soll, bevor die Seele des
Volkes überkocht oder soll durch eine Demonstration auch ein Signal an unsere
"Volksvertreter" gesandt werden dürfen, so in dem Sinne "Bis hierher und nicht
weiter . . . unsere Geduld mit euch ist zu Ende"?
Wenn ich da so an die
letzten Urteile (besonders der Hamburger Gerichtsbarkeit) in Sachen
Meinungsfreiheit in Foren und Blogs (und an den 'Schäuble-Trojaner') denke, dann
schwant mir Böses.
Mein Vorschlag:
Wie wäre es mit der nächsten Demo
auf hoher See auf einem Flugzeugträger?
Das demonstrierende Volk auf dem
einem Flugzeugträger im Pazifik
und der tagende G8-Gipfel auf einem anderen
Flugzeugträger im Atlantik . . . ?
So recht schön weit voneinander entfernt,
damit beide Seiten tun können, was sie möchten?
Netzgärtner Kurt